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Naturheilverfahren

Klassische Naturheilverfahren

Wiederkehrende Infektionskrankheiten, chronische Schmerzerkrankungen und psychovegetative Erschöpfungssyndrome (Burn-out Syndrom, "Burnout") sind die häufigsten Gründe für steigende Ausfallzeiten von Berufstätigen. Gerade in diesem Bereich der chronischen Erkrankungen gibt es nur wenige Therapiemöglichkeiten in der modernen Medizin.

Hier setzt die Naturheilkunde an, die für viele Menschen unserer Zeit eine adäquate Antwort auf Fragen über Gesundheit und Krankheit, über von Fortschritt der Medizin auf der einen und wachsende Skepsis daran auf der anderen Seite bietet. Viele chronisch Kranke, deren Beschwerden durch die konventionelle Medizin nicht weiter gelindert werden können, sehen in den Naturheilverfahren oftmals eine sinnvolle Behandlungsalternative. Es muss vor allem die Möglichkeit gegeben werden, ergänzend zur so genannten Schulmedizin andere therapeutische Maßnahmen für sich zu erproben und deren Erfolge kennen zu lernen.

Ziel muss dabei sein, nicht die verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten (Schulmedizin, Naturheilverfahren) gegeneinander auszuspielen, sondern für den Patienten die geeignete Zusammenstellung der verschiedenen Therapiemöglichkeiten zu finden. Mit dieser Vorgabe setzen wir in der Klinik Hohenfreudenstadt neben den bekannten schulmedizinischen Therapien eine breite Palette von anerkannten klassischen sowie auch einige erweiterte Naturheilverfahren ein. Ein Teil dieser Therapieformen stellt ein Regulationsverfahren dar, das die körpereigenen Selbstheilungskräfte aktivieren und die Reaktionsfähigkeit auf krankmachende Einflüsse stärken soll. Ziel ist es, dem Patienten eine Beschwerdelinderung zu verschaffen, die den stationären Aufenthalt deutlich überdauert.

Die therapeutische Basis der Klinik Hohenfreudenstadt als Zentrum für Prävention & Rehabilitation bilden die so genannten "klassischen" oder "echten" Naturheilverfahren wie Hydrotherapie und Balneotherapie, Massage und Bewegungstherapie, Ernährungstherapie, Physiotherapie, Phytotherapie und Ordnungstherapie, die sich von der klassischen Kneipp-Therapie ableiten lassen.

Historischer Hintergrund
Im 19. Jahrhundert gewannen die Naturheilverfahren im Rahmen des Skeptizismus erneut an Bedeutung. Der bayerische Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) griff die bereits von Vinzenz Priessnitz (1799-1851) durchgeführten Wasseranwendungen (Hydrotherapie) auf und entwickelte sie weiter.

Er ging dabei wesentlich differenzierter vor und integrierte weitere Anwendungen wie z.B. Dampf und wechselwarme Bäder. Aber auch der Einsatz von Kräutern und ein allgemeiner gesunder Lebensstil spielten bei Kneipp eine wichtige Rolle. Daraus lassen sich die fünf Säulen der Kneipp-Therapie ableiten:

  • Hydrotherapie
  • Bewegungstherapie
  • Phytotherapie
  • Ernährungstherapie
  • Ordnungstherapie

Der Hydrotherapie liegen über 130 verschiedene Wasseranwendungen zugrunde. Die hohen Variationsmöglichkeiten ermöglichen dem Therapeuten eine optimale Anpassung der Therapie an die individuellen Bedürfnisse des Patienten.

Die externe Wasseranwendung wirkt sich über die Haut auf das vegetative Nervensystem aus, wodurch u.a. die Blutgefäße, die Muskulatur sowie der Stoffwechsel beeinflusst werden.

Durch die gezielt eingesetzten Temperaturunterschiede werden Reize gesetzt, auf die der Körper mit einer bestimmten Gegenregulation reagiert. Ein wichtiges Kriterium spielt dabei die Reizintensität, die auf den Reaktionszustand des Einzelnen abzustimmen ist. Bei der Dosierung der Reizstärke sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Fläche des entsprechenden Körperbezirks
  • Temperatur bzw. Temperaturunterschiede
  • Zeit
  • mechanische (z.B. hydrostatischer Druck) und chemische Faktoren (z.B. Zusätze)

Bei der Hydrotherapie unterscheidet man drei Anwendungsformen, die sich an der Reizintensität orientieren.

Anwendungsform Beispiele
milde hydrotherapeutische Reize Waschungen, Trockenbürstungen, wechselwarme Fußbäder, Wassertreten
mittelstarke hydrotherapeutische Reize ansteigende Bein-, Sitz- und Halbbäder, kalte und wechselwarme Güsse (außer Vollguss), Rumpfwickel, Sauna (ohne Tauchbad)
starke hydrotherapeutische Reize Überwärmungsbad, kalter oder heißer Vollblitzguss, Ganzpackung, Sauna mit Tauchbad

Durch das Zusammenspiel von Reiz und Gegenregulation entsteht ein Trainingseffekt, der sich positiv auf das Immunsystem auswirkt. Die Durchblutung wird gefördert und es stellt sich ein allgemeines Wohlgefühl ein. Aufgrund der Gefäßverengung und -erweiterung infolge der Temperaturunterschiede werden diese elastischer, wodurch der Blutdruck und somit die Gefahr einer Arteriosklerose ("Arterienverkalkung") verringert wird. Die Hydrotherapie kann also auch zur Prävention von bestimmten Krankheiten eingesetzt werden.

Eine weitere Säule der Kneipp-Anwendungen stellt die Bewegungstherapie dar. Hier wechseln sich Belastungs- und Regenerationsphasen ab, woraus der Trainingsreiz resultiert. Trainiert werden dabei der Bewegungsapparat und das Herz- Kreislauf-System. Weiterhin dient die körperliche Aktivität der Entspannung und wirkt sich positiv auf den Blutzucker, den Blutdruck, den Fettstoffwechsel sowie das Gewicht aus.

Bei der Bewegungstherapie sollten die Präferenzen der Patienten berücksichtigt werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Aktivitäten fortgeführt und im Alltag beibehalten werden. Bevorzugt sollten Ausdauersportarten wie z.B. Walking, Schwimmen, Radfahren und Gymnastik ausgeübt werden, während Sportarten mit kurzen Belastungsspitzen (Sprint, Gewichtheben etc.) weniger geeignet sind.

Dabei ist es sinnvoller, häufiger Sport mit geringer Intensität zu betreiben als selten mit zu hoher Anstrengung, denn falscher bzw. übertriebener Ehrgeiz birgt vor allem bei älteren Personen die Gefahr einer Überbelastung, die dem Patienten mehr schadet als nutzt. Als Richtwert gilt hierbei die folgende Formel:

Max. Pulsfrequenz = 180 - Lebensalter

Dies bedeutet, dass bei einem 60jährigen Patienten der Puls 120 Schläge pro Minute nicht übersteigen sollte. Unter fachlicher Anleitung können die vielfältigen Freizeit- und Sportangebote in Freudenstadt genutzt werden, die in Kombination mit den landschaftlichen Vorzügen der Region zur Genesung der Patienten maßgeblich beitragen.

Darunter versteht man den Einsatz von pflanzlichen (griech.: phyto) Wirkstoffen. Das frühere Problem der ungenauen Dosierbarkeit und dem wechselnden Gehalt an Inhaltsstoffen konnte durch moderne Standardisierungsmaßnahmen erheblich verbessert werden. So lassen sich die vielen Wirkstoffe gezielt zur Behandlung und Prävention von verschiedenen Krankheiten einsetzen.

Aus der Vielzahl der Pflanzenstoffe werden hauptsächlich mild wirkende Substanzen verwendet, die sich durch ihre nahezu vollständige Nebenwirkungsfreiheit auszeichnen. Sie können äußerlich als Badezusätze und Salben oder in Form von Tees, Pflanzensäften und Dragees verabreicht werden.

Die Anwendungsgebiete der Phytotherapie reichen von der Behandlung chronischer Beschwerden wie z.B. Rheuma bis hin zur Stärkung des Immunsystems. Weiterhin dienen diese pflanzlichen Arzneistoffe der Anregung des Stoffwechsels sowie der Vorbeugung verschiedener Krankheiten.

Den Nutzen der Ernährungstherapie erkannte Kneipp bereits im 19. Jahrhundert. Die Grundlage hierfür stellt eine ausgewogene und gesunde Ernährung dar, wie sie im Wesentlichen auch heute von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen wird. Dabei kommt es auf eine bedarfsgerechte Energiezufuhr und auf eine sinnvolle Auswahl der Lebensmittel an, die reich an essentiellen Nährstoffen und arm an Schadstoffen sein sollen. Extreme und einseitige Ernährungsformen wurden von Kneipp abgelehnt.

In einer Lehrklinik für Ernährungsmedizin spielt die Ernährungstherapie eine wichtige Rolle. Die Zusammensetzung der Speisen orientiert sich an den Nährstoffempfehlungen der DGE für die Gemeinschaftsverpflegung in Krankenhäusern, was eine deutliche Reduktion des Fett-, Eiweiß- und Natriumgehaltes gegenüber der üblichen Ernährung bedeutet. Der Diätkatalog, in dem die in der Klinik verwendeten, wissenschaftlich gesicherten Diäten aufgeführt und beschrieben sind, ist angelehnt an die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM).

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Mehr Infos

Durch eine auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmte Ernährungstherapie lassen sich typische Wohlstandserkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen gezielt behandeln. Dies führt zu einem signifikanten Rückgang der Arteriosklerose und der damit verbundenen hohen Sterblichkeit. Die Ergebnisse der Ernährungstherapie werden in der Klinik Hohenfreudenstadt im Rahmen von regelmäßigen Patientenbefragungen und statistischen Erhebungen evaluiert und ständig verbessert.

Das Ziel der Ordnungstherapie ist die Herstellung eines inneren und äußeren Gleichgewichts im Rahmen einer ganzheitlichen Therapie, die die vier anderen Kernelemente der Kneipp-Therapie (Wasser, Bewegung, Pflanzen, Ernährung) miteinander vereint. Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ist dabei tageszeitlichen (zirkadianen) Schwankungen unterworfen, die es bei der Behandlung zu berücksichtigen gilt.

Die Ordnungstherapie beinhaltet alle Maßnahmen einer gesunden Lebensweise, d.h. Meiden von Risikofaktoren, Genussgiften und Stress. Eine Entspannung soll durch einen geeigneten Wechsel aus Aktivität und Entspannung erreicht werden. Entspannungsfördernde Maßnahmen wie Yoga, Qi Gong, Thai Chi etc. kommen ebenfalls zum Einsatz.

"Erst als ich daran ging, Ordnung in die Seelen meiner Patienten zu bringen, hatten meine Therapien vollen Erfolg"
(Sebastian Kneipp).

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