Orthopädische Rehabilitation

Allgemeines zur orthopädischen Rehabilitation

Nach der Definition der Welthgesundheitsorganisation (WHO) ist die Aufgabe der Rehabilitation Menschen,
die körperlich, geistig oder seelisch behindert sind und die ihre Behinderung oder deren Folgen
nicht selbst überwinden können und Menschen, denen eine Behinderung droht, zu helfen,
ihre Fähigkeiten und Kräfte zu entfalten, um einen entsprechenden Platz in der
Gemeinschaft zu finden. Dazu gehört vor allem auch die Teilnahme am Arbeitsleben.

In der Deutschen Sozialgesetzgebung sind die Rentenversicherungsträger neben den Krankenkassen hauptverantwortlich für die Durchführung der medizinischen Rehabilitation. Das Interesse der Rentenversicherungen liegt vor allem in der Beseitigung einer gefährdeten und in der Erhaltung einer beruflichen Leistungsfähigkeit, um einen Rentenanspruch wegen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit zu verhindern oder zu verzögern. Die Krankenversicherungen bedienen sich der medizinischen Rehabilitation, um zu heilen, zumindest eine Besserung des Gesundheitszustandes zu erzielen und eine Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder aufzuheben.

Es lassen sich 3 Ebenen abgrenzen, an denen die Rehabilitation und ihre therapeutischen Leistung ansetzen kann. In der Regel führt 1. eine Organschädigung (Impairment) zu 2. einer oder mehreren funktionellen Einschränkungen (Disability) und diese können für den Rehabilitanden bedeuten, dass den Einschränkungen entsprechend 3. Tätigkeiten und Lebensweisen in vielen sozialen Bereichen nicht oder nicht mehr ausgeübt werden können (Handicap).

Das orthopädische Fachgebiet ist seit seiner Abspaltung von der Chirurgie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in seiner Arbeits- und Denkweise grundsätzlich operativ und rehabilitativ ausgelegt. Oberstes Ziel ist die Wiederherstellung einer gestörten Bewegungs- und Haltefunktion und damit die Wiedererlangung einer wichtigen Lebensqualität. Diese dient der umfassenden Teilnahme am gesellschaftlichen und beruflichen Leben.

Die Orthopädie hat sich von Anfang an neben der operativen und konservativen Therapie verschiedener ergo- und physiotherapeutischer Anwendungen bedient, um diese Ziele zu erreichen. In der Zwischenzeit haben sich diese Fachgebiete erheblich weiterentwickelt. Dadurch stehen vielfältige und spezifische Anwendungsmöglichkeiten zur Verfügung, die den speziellen Fragestellungen therapeutisch Rechnung tragen.

In einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme soll – negativ formuliert – die Auswahl gezielter und konzentrierter therapeutischer Maßnahmen diejenigen Faktoren unterbinden, die eine Behinderung unterstützen und damit die wiederzuerlangende Leistungsfähigkeit vermindern, und – positiv ausgedrückt – Faktoren bzw. Verhaltensweisen finden und mobilisieren, die diesem Prozess entgegen wirken. Hierzu ist es – neben der genauen Funktionsanalyse des Bewegungssystems – erforderlich, die soziokulturellen und beruflichen Umstände zu kennen, die bei einem Rehabilitantden das Bewegungssystem beeinflussen. Eine Beurteilung aber auch Verbesserung der Leistungsfähigkeit eines Rehabilitanten kann nur dann durchgeführt werden, wenn diese Einflussfaktoren bekannt sind.

Nicht zuletzt bedingt die zunehmend höhere Lebenserwartung der Bevölkerung multimorbide Krankheitsbilder. Die therapeutischen Maßnahmen und die Zusammenstellung des Rehabilitationsteams sollten diese Tatsache berücksichtigen.

Die orthopädische Rehabilitation bedient sich aller schulmedizinischen Möglichkeiten der konservativen Orthopädie. Ergänzt werden diese durch manualtherapeutische Methoden, ggf. auch nicht schulmedizinischer osteopathischer Techniken. Beide können eine hervorragende, weitgehend nebenwirkungsarme Grundlage zur Behandlung von Funktionsstörungen, auch von Schmerzsyndromen, bieten.

Insbesondere bei der Therapie chronischer und akuter Schmerzen offeriert das orthopädische Fachgebiet eine große Anzahl verschiedener schmerztherapeutischer Verfahren und Konzepte. Diese werden ergänzt durch rehabilitationsspezifische Erfordernisse wie Interdisziplinarität (z.B. mit der Psychosomatik), ergonomisches und biomechanischesVerständnis oder auch sozialmedizinische Aspekte.