Osteoporose

Allgemeines zu Osteoporose

Die Osteoporose zählt zu den großen "Volkskrankheiten", die gesamten Behandlungskosten
einschließlich der Folgekosten werden auf ca. 3 Milliarden € pro Jahr allein in Deutschland beziffert.
Trotz ihrer Häufigkeit bleibt die Erkrankung, selbst wenn bereits Frakturen eingetreten sind,
unterschätzt und folglich unbehandelt. Als Resultat bleiben viele Patienten behindert und leiden
an chronischen Schmerzen.

Bei der Osteoporose handelt es sich um ein komplexes Krankheitsbild des Knochens. Ursache ist eine Verminderung der mineralisierten Knochenmasse einhergehend mit einer Störung der Mikrostruktur des Knochens. Hieraus ergibt sich eine Verminderung der Knochenstabilität. Der Knochen ist den alltäglichen Belastungen oder auch gegenüber gering gradigen Überbelastungen und Verletzungen, die einem gesunden Knochen nicht schaden würden, nicht mehr gewachsen. Die Folgen sind Deformierungen des Knochens im Rahmen so genannter Mikrofrakturen oder auch komplette Knochenbrüche.

Aus diesen Grundlagen können die folgenden Krankheitssymptome abgeleitet werden:

  • Akute Knochenbrüche verursachen Schmerzen und Funktionseinschränkungen der betroffenen Gliedmaßen oder der Wirbelsäule. Die häufigsten Frakturformen sind hierbei Wirbelkörperimpressionsfrakturen, Oberschenkelhalsfrakturen und Radiusbrüche. Aber auch in anderen Regionen kann es zu Brüchen kommen.
  • So genannte schleichende Knochenbrüche oder Knochenverformungen bedingen in ähnlicher Weise Schmerzen, zunehmende Belastungsunfähigkeit und eine Gebrauchsunfähigkeit bis hin zur Hinfälligkeit und Pflegebedürftigkeit. Typische Beispiele hierfür sind die langsam sich vollziehenden Wirbelkörperdeformierungen, z. B. zu Keilwirbeln, die sich in wiederholten Mikrofrakturprozessen fortentwickeln können. In der Regel wird hierbei der vordere Anteil des Wirbelkörpers keilförmig zusammengestaucht.
  • Als Folge von Knochenfrakturen und den Deformierungen kommt es zu Fehlbelastungen und damit auch zu Überlastungen an anderen Körperregionen. Die Keilwirbelbildung modelliert einen Rundrücken aus. Die damit verbundene Fehlstatik führt zu Schmerzen durch die Überdehnung von Bandstrukturen und zur Fehlbelastung in Bewegungssegmenten. Dies insgesamt bedingt Muskelverspannungen lokal und auch in weiter entfernten Abschnitten der betroffenen Wirbelsäule. Die Schmerzen können in den Rumpf und in die Extremitäten ausstrahlen.
  • Die veränderte Statik ihrerseits verursacht Beschwerden und führt auch zu sekundären Schädigungen bzw. Verschleißerscheinungen an entfernten Gelenken und die Gelenk tragenden und bewegenden Strukturen wie Muskeln, Sehnen und Bändern. Hier kann beispielhaft durch Ausbildung des Rundrückens und die damit verbundene Fehlstatik eine Arthrose in den kleinen Wirbelgelenken entstehen. Dadurch kommt es zu einer Verengung des Spinalkanals und zu einer Einengung der Nervenwurzeln. Die hiermit verbundene neuromuskuläre Desintegration führt in den weitest entfernten Abschnitten auch zu Schädigungen an Gelenken und der Muskulatur.
  • Die sekundären Schädigungen führen auch zu eigenständigen Krankheitsbildern, die die primären Osteoporosebeschwerden übersteigen und auch überdauern können. Durch die statischen Veränderungen kommt es zu sekundären degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen, Spondylosen, Spondylarthrosen und zu Wurzelreizerscheinungen. Die Beschwerden dieser Folgeerscheinungen können den osteoporotisch bedingten Frakturschmerz im Ausmaß, der Dauer und der klinischen Bedeutung weit übersteigen.
  • Die ständigen Schmerzen, die Funktionseinschränkungen und die damit verbundenen Behinderungen führen zu einer zunehmenden Immobilität und Entlastung der betroffenen Körperabschnitte. Dies verursacht im Rahmen eines selbst bedingenden Kreislaufes eine weitere Zunahme der Knochenverminderung, also der Osteoporose durch eine zusätzliche Inaktivitätsatrophie.
  • Auch psychische Störungen wie Depressionen und psychosoziale Konflikte, Isolation und Verlust der Lebensfreude sind Folgen der Schmerzen, der Immobilität und der Funktionsbehinderungen. Dies mündet oft auch in eine Fehl- und Mangelernährung und damit von dieser Seite auch in eine Unterstützung der Osteoporose ein.

Bei Beschwerden seitens des Bewegungsapparates ist die Osteoporose von degenerativen Erkrankungen und entzündlich rheumatischen oder weichteilrheumatischen Krankheitsbildern klinisch abzugrenzen. Andere Stoffwechselstörungen, die den Knochenstoffwechsel betreffen, sind ebenfalls von der Osteoporose abzugrenzen; hierzu zählen die Osteomalazie, Osteodystrophien und sonstige angeborene Krankheiten des Skelettsystems.

Wir unterscheiden primäre und sekundäre Osteoporosen. Die sekundären Osteoporosen sind altersunabhängig und bilden mit 5% den geringeren Anteil der Erkrankungen. Ursachen sind Immobilisation, Hormonstörungen, Stoffwechselerkrankungen, Kortikoide oder andere Medikamente, die in den Knochenstoffwechsel eingreifen.

Die primären Osteoporosen werden im Wesentlichen unterteilt in die Typ I und die Typ II Osteoporose, sie machen ca. 95% derOsteoporosen aus.

Die so genannte Typ I Osteoporose entspricht der postmenopausalen Osteoporose, d.h. sie tritt üblicherweise bei Frauen nach der Menopause auf. Es ist etwa das 50. bis 55. Lebensjahr betroffen. Besonders häufig sind in dieser Patientengruppe Deformierungen und Brüche der Wirbelsäule.

Bei der Typ II Osteoporose handelt es sich um die senile Osteoporose beim älteren Menschen jenseits des 70. Lebensjahres. Hier sind vor allem Oberschenkelhalsbrüche klinisch relevant. Diese haben eine epidemiologische Bedeutung mit immerhin über 100 000 stationären Behandlungen pro Jahr in Deutschland.

Nach neuen Berechnungen ist die Zahl der Osteoporosen insgesamt in der BRD etwa zwischen 6 und 7,5 Mio. angesiedelt. Zur Abgrenzung der Behandlungsstrategie lassen sich im Hinblick auf die Entstehung und des Verlaufs der Osteoporose 3 Stadien abgrenzen:

  • Das erhöhte Risiko eine Osteoporose zu entwickeln.
  • Die bereits bestehende Verminderung und Schwächung der tragenden Knochensubstanz mit erhöhter Frakturgefährdung (Stadium 0 und 1 nach der WHO-Klassifikation von 1994).
  • Die manifeste Osteoporose mit Knochendeformierungen oder Frakturen (Stadium 2 und 3 nach der WHO-Klassifikation von 1994)

In der ersten Gruppe bedeutet die Screeninguntersuchung bereits die Krankheitsvorbeugung und die Risikoerfassung. Dies ist wesentlicher Bestandteil der Rehabilitationsmedizin. Eine effektive Erfassung der Menschen mit erhöhtem Risiko an Osteoporose zu erkranken, kann durch Patientenaufklärung, Erhebung spezieller Daten in der Vorgeschichte und die klinische Untersuchung erreicht werden. Die Behandlungsstrategie der Risikogruppe umfasst die Anleitung zur Verminderung der Risikofaktoren und die Schulung hinsichtlich einer Verhaltensänderung zur Vorbeugung. Ggf. kann die Einleitung prophylaktischer, auch medikamentöser, Maßnahmen notwendig werden.

In der zweiten Gruppe mit dem bereits verminderten Knochenmineralgehalt (Stadium 0 und 1) werden die klinischen Befunde mit der Knochendichtemessung und eventuell auch noch mit zusätzlichen röntgenologischen Untersuchungen ergänzt. Hier ist ein konsequentes Vorbeuge- und Therapieprogramm notwendig, um ein Fortschreiten der Knochenschwäche und auch möglichst einen Wiederaufbau von verlorener Knochensubstanz zu erreichen. Dieses Behandlungsprogramm muss der Patient kontinuierlich fortführen.

In der Gruppe der Patienten mit manifester Osteoporose (Stadium 2 und 3) ist der Knochen soweit geschwächt, dass Deformierungen oder Knochenbrüche symptomatisch im Vordergrund stehen. Die Tragweite der Knochenstrukturveränderungen wird mit der Knochendichtemessung erkannt und in ihrem therapeutischen Verlauf kontrolliert. Mit Hilfe von Röntgen- und Laboruntersuchungen muss eine dauerhafte und effektive Therapie eingeleitet werden. Im Vordergrund steht hier die Schmerzreduktion, um eine Übungsbehandlung überhaupt erst durchführen zu können. Insgesamt muss eine weitere Schwächung des Knochens aufgehalten werden und der erneute Einbau von mineralisierender Substanz erreicht werden. Sekundäre Erkrankungen, wie oben beschrieben, müssen konsequent vermieden werden.

In der Diagnostik der Osteoporose stehen in unserer Klinik neben der Erhebung der Vorgeschichte und der manualmedizinisch orientierten klinischen Untersuchung radiologische Möglichkeiten in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Freudenstadt zur Verfügung. Unser hausinternes Labor ist in der Lage, in enger Zusammenarbeit mit externen Laboratorien Blut- und Urinuntersuchungen einschließlich Hormon- und Vitaminstatusuntersuchungen durchzuführen.

In der medikamentösen Behandlung der Osteoporose wird bei Frauen die Notwendigkeit einer Östrogensubstitution geprüft. Die Verabreichung von Kalzium, Fluoriden und Bisphosphonaten kann von uns eingeleitet oder überprüft werden. Die Ernährungstherapie soll ebenfalls den Knochenstoffwechsel aus ernährungsphysiologischer Seite günstig beeinflussen und die psychologische Mitbetreuung des Patienten dient der psychosozialen Reintegration neben der allgemeinen Therapie.

  • Stoppen des Kalksalzabbaues
  • Einlagerung von Knochenmasse
  • Schmerzlinderung
  • Steigerung der Belastbarkeit
  • Abklärung der Notwendigkeit einer orthopädietechnischen Versorgung
  • Mobilitätsverbesserungen
  • ggf. Ursachenforschung

1. Medikamentös

  • ggf. Hormonsubstitution (Frauen)
  • Vitamin , Calcium, Natriumfluorid, Bisphosphonate, Calcitonin

2. Krankengymnastik

  • Bewegungsbad
  • Osteoporosegymnastik
  • dosiertes Training am Fahrradergomete

3. Ergotherapie

4. Ernährungsmedizinische Beratung

5. ggf. Korsettversorgung in Zusammenarbeit mit unserem Orthopädietechniker (extern)

6. Symptomatische Schmerzbehandlung

  • Physikalische Therapie
  • Medikamentös
  • Psychologisch
  • Chirotherapie und Osteopathie