Psychosomatik und Orthopädie

Gesundheit und Krankheit werden entscheidend durch psychische Prozesse beeinflusst.

Die Zusammenhänge zwischen psychosozialen Belastungen, wie z. B.
kritischen Lebensereignissen, schwierigen Arbeitsbedingungen, familiären Problemen und
allgemeinen Gesundheitszustand sind in der Forschung hinreichend belegt.

Aufgrund individueller, situationsbezogener Gegebenheiten können sich hohe Beanspruchungen mit der Gefahr der Überschreitung der Anpassungsfähigkeit einstellen und diese langfristig auf dem Weg über gesundheitliche Störungen zu Erkrankungen und chronischen Leiden führen.

In diesem Zusammenhang sind oft Bereiche des muskulo-skelettalen Systems und dabei insbesondere der Rücken betroffen. Psychophysiologische Zusammenhänge der Affektverarbeitung führen durch Anspannung der Rückenmuskulatur zu Dauerkompressionen und über den Weg der seelischen und körperlichen Fehlhaltung zu Beschwerden und Schädigungen am Organsystem Rücken.

Mangelnde Kompensations- und Verarbeitungsmöglichkeiten und anhaltende Belastung führen zur Abnahme der Widerstandskraft. Das subjektive Belastungs- und Krankheitsgefühl nimmt zu und bewirkt über Durchblutungsstörungen und Fehlhaltungen Beschwerden und Schmerzen. Diese Schmerzen vervollständigen den Teufelskreislauf des Stress- und Krankheitsgeschehens.

Unsere Behandlungskonzeption ist ziel-, ressourcen- und lösungsorientiert. Es soll eine Steigerung der psychischen Kompetenz und des Wohlbefindens erreicht werden. Diese Teilaspekte der psychischen Gesundheit sind die Voraussetzungen für einen gesundheitsförderlichen Umgang mit sich und der Umwelt. Die Basis der Therapie bilden Information und Aufklärung über psychosomatische Zusammenhänge und den transaktionalen Charakter von Stress und Stressbewältigung sowie Schmerz und Schmerzbewältigung.

Das Trainingsprogramm basiert auf Erkenntnissen der Neuropsychologie, der Psychophysiologie und bezieht psychoanalytische sowie lerntheoretische Methoden mit ein. Es kommen themenzentriert systemische und verhaltenstherapeutische Interventionen zur Anwendung.

Nach dem Aufnahmegespräch und einer körperlichen Untersuchung werden mit dem Patienten die Therapieziele und das Behandlungskonzept festgelegt.

Die Behandlung umfasst:

  • Rückenschule
  • Ergonomieberatung
  • das Erlernen von Entspannungstechniken
  • Stressbewältigungstraining
  • therapeutisches Flugballspiel
  • bei Bedarf Psychotherapie
  • Gymnastik und Wassergymnastik nach Indikation (auch Atemgymnastik)
  • Ausdauertraining (Nordic Walking)
  • Medizinische Trainingstherapie nach Indikation
  • Ergotherapie nach Indikation
  • balneophysikalische Maßnahmen
  • medikamentöse Therapie
  • Psychopharmaka nur bei dringendem Bedarf

Im Sinne der „Hilfe zur Selbsthilfe“ wird ein Repertoire an Bewältigungsstrategien mit dem Ziel, nicht nur gegenwärtige, sondern auch künftige Stresssituationen bewältigen zu können, vermittelt und aufgebaut. Durch flankierende Maßnahmen der medizinischen-therapeutischen Abteilungen werden über eine allgemeine Entspannung und Kräftigung eine Effektivitätssteigerung und eine bessere Verankerung der psychosomatischen Interventionen bewirkt.