Psychologische Behandlungs­maßnahmen

Angebote / Leistungen im Überblick

  • Autogenes Training
  • Einzelgespräche
  • Essverhaltensgruppe
  • Gruppenpsychotherapie
  • Körperwahrnehmung
  • Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
  • Raucherentwöhnung
  • Schmerzbewältigungsgruppe
  • Selbstbehauptungsgruppe
  • Stressbewältigungsgruppe

Psychologie im Kur- und RehabilitationswesenIm medizinischen Gesundheitswesen und damit im Kur- und Rehabilitationswesen wurde die Psychologie lange Zeit als Randgebiet betrachtet. Gemäß dem vorherrschenden biomedizinischen Krankheitskonzept konzentrierte man sich darauf, die körperlichen Ursachen einer Krankheit ausfindig zu machen und dann medizinisch (d.h. meist medikamentös und/oder operativ) zu behandeln.

Die Methoden der Psychiatrie und der Klinischen Psychologie wurden auf die Behandlung von Patienten mit psychischen Störungen, d.h. Störungen im Erleben und Verhalten beschränkt.

Ein Patient, der sowohl körperliche wie psychische Störungen aufwies, wurde nebeneinander einerseits körpermedizinisch und andererseits psychotherapeutisch/ psychiatrisch behandelt. Die ganzheitliche Sichtweise der psychosomatischen Medizin ist in weiten Teilen des Gesundheitswesens unzureichend berücksichtigt worden.

Mit neuen wissenschaftlichen Errungenschaften aus der Stressforschung, der Verhaltensmedizin, der Psychoneuroendokrinoimmunologie und der ganz neuen Disziplin der Gesundheitswissenschaft einschließlich der Gesundheitspsychologie ändert sich seit ca. 15 Jahren langsam das Krankheitskonzept (bzgl. Entstehung, Verlauf und Behandlungsansätzen). Im ganzheitlichen Ansatz des biopsychosozialen Modells werden körperliche wie psychische Erkrankungen als multifaktoriell bedingt angesehen und der soziale und berufliche Kontext des Patienten mit einbezogen.

Der Patient wird nicht mehr nur als Opfer seiner Krankheit betrachtet, sondern als Gestalter seines Lebens, wobei seine Art der Lebensgestaltung - sein Lebensstil - sowohl Risikoverhalten (z.B. Rauchen, Alkoholmissbrauch, Fehlernährung, Bewegungsmangel, feindselige Haltung, übertriebener Ehrgeiz, Passivität bei Problemen) als auch gesundheitsfördernde Verhaltensweisen (Entspannung und Muße, befriedigende Sozialkontakte, Selbstvertrauen, aktive Problembearbeitung, Genussfähigkeit) beinhalten kann. Daraus folgt, dass die Psychologie im Rehabilitationswesen eine zentrale Bedeutung erlangt.

Im Rahmen einer Reha-Maßnahme ergeben sich hieraus folgende Aufgaben für den Bereich der Psychologie/Psychotherapie:

  • Motivation des Rehabilitanden, Verantwortung für die eigene Lebensgestaltung zu übernehmen, seinen Lebensstil zu überprüfen und zu verändern.
  • Psychotherapeutische Hilfestellung bei der seelischen Bewältigung chronischer Erkrankungen und krankheits- bedingter körperlich-seelischer Beeinträchtigungen.
  • Aktivierung vorhandener Ressourcen und Unterstützung beim Aufbau neuer Kompetenzen für eine gesunde Lebensweise.
  • Psychotherapeutische Hilfestellung bei der Veränderung von Risikoverhalten.
  • Psychotherapie bei psychischen Störungen (wie Ängste und Depressionen) und damit zusammenhängenden sozialen Schwierigkeiten.

Einzeltherapie
Die Psychologisch-psychotherapeutische Abteilung der Klinik Hohenfreudenstadt wird diesen Aufgaben in vielfältiger Weise gerecht. Die hier tätigen Psychotherapeuten weisen mehrere unterschiedliche therapeutische Qualifikationen vor (Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Therapie, Gestalttherapie). Dadurch können Patienten individuell und störungsspezifisch einzeltherapeutisch behandelt werden.

In den einzeltherapeutischen Sitzungen wird mit dem Patienten fokussiert auf die aktuelle psychische Problematik gearbeitet, wobei Therapiemethoden (übergreifend die wissenschaftlich begründeten Wirkvariablen: "Motivationale Klärung", "Problem- aktualisierung", "Ressourcenaktivierung", "Problembewältigung") zum Einsatz kommen.

Allgemeine Therapieziele sind dabei die Verbesserung der Selbst- und Problemwahrnehmung, Verbesserung der Selbstakzeptanz, Aufbau selbst schützenden und gesundheitsförderlichen Verhaltens und die Entwicklung von konkreten aktiven Schritten zur besseren Problembewältigung.

Bei einigen schwerer belasteten Patienten wird in der stationären Kurzzeitbehandlung die Motivation aufgebaut, sich mit dem Ziel der langfristigen Stabilisierung und Erhalt der Leistungsfähigkeit anschließend (poststationär) in eine ambulante Psychotherapie zu Hause zu begeben.

Gruppenarbeit
Ein zweiter Schwerpunkt neben der Einzelbehandlung bildet die problemorientierte Arbeit in Gruppen. Dort haben die Patienten die Gelegenheit zu erfahren, dass sie mit ihrer Problematik nicht alleine sind. Über gegenseitigen Erfahrungsaustausch können die eigenen Perspektiven erweitert und flexibilisiert werden. Das ermöglicht den Betroffenen, aus der Isolation des eigenen Leidens herauszukommen und aus den Erfahrungen von anderen zu lernen.

Wir bieten psychologische Gruppen zu den Themen:

  • Stressbewältigung
  • Selbstbehauptung
  • Umgang mit chron. Schmerzen
  • Essverhalten ändern

In diesen Gruppen arbeiten wir an der Veränderung von Risikoverhalten und dem Aufbau von gesundheitsförderlichem Verhalten. Neben der allgemeinen Motivierung sind die Anregung zur Selbstreflexion, Verbesserung der Belastungsverarbeitung, Wege der Selbstunterstützung bei der Veränderung von langfristig eingeschliffenen Gewohnheiten und das Erlernen sozial kompetenten Verhaltens Hauptinhalte in diesen Gruppen, die auf die jeweilige Problematik und spezifischen Belange der Teilnehmer abgestimmt realisiert werden.

Entspannung
Der dritte Schwerpunkt sind unsere Angebote zur Verbesserung der Entspannungsfähigkeit. Ein Mangel an Entspannung und Erholung ist bei vielen Krankheitsbildern ein erschwerender Faktor für die Krankheitsentwicklung, insbesondere bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Asthma bronchiale, bei orthopädischen und internistischen Erkrankungen mit chronischen Schmerzen als Leitsymptom, bei den psychovegetativen Störungen einschließlich Schlafstörungen und bei psychischen Störungen (insbesondere Ängste). Da die klinische Erfahrung lehrt, dass nicht jeder Mensch von jeder Entspannungstechnik gleichermaßen profitiert, bieten wir die zwei verschiedenen Entspannungstechniken in Gruppen an, die in ihrer Wirkungsweise auch am besten wissenschaftlich überprüft sind: die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und die Unterstufe des Autogenen Trainings nach Dr. Schultz. Schmerzpatienten können zudem in Einzelbehandlungen spezielle Vorstellungs- und Visualisierungsübungen zur Veränderung des Schmerzerlebens erlernen.

Vorträge
Ergänzend zu den genannten Schwerpunkten psychologisch-psychotherapeutischer Arbeit werden Vorträge zur Information und Motivationsförderung angeboten. Bei den Themen "Stressbewältigung" und "Schmerzbewältigung" wird den Patienten eine ganzheitlich psychosomatische Sichtweise nahe gebracht. Es wird die Einsicht vermittelt, dass sie selbst aktiv zur Verbesserung ihrer Problematik beitragen können und dass es sich für ihr allgemeines Lebensgefühl lohnt, dies zu tun.

Weitere Entwicklung
So wie das gesamte Gesundheitswesen sich mit neuen Erkenntnissen laufend ändert, so befindet sich auch die psychologische Wissenschaft und Praxis in der Entwicklung. Die Tatsache, dass eine lediglich auf Defizite und Störungen ausgerichtete Herangehensweise und die damit verbundene Praxis, Risikoverhalten abbauen zu helfen, sich als unzureichend erwiesen hat, stellt uns vor neue Aufgaben.

Die Hauptfrage der modernen Rehabilitation ist: Was sind effektive Faktoren, die einen Menschen gesünder werden lassen? Diese Frage hat zuerst ANTONOVSKY in seinem "Salutogenese"-Konzept so formuliert. Es geht hierbei weniger darum, was vor Krankheit schützt, sondern vielmehr darum, was Gesundheit stärkt und fördert.

ANTONOVSKYs Antwort:
"Das Kohärenzgefühl... Eine globale Orientierung, die das Ausmaß ausdrückt, in dem jemand ein durchdringendes, überdauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, dass erstens die Anforderungen aus der internalen und externalen Umwelt im Verlauf des Lebens strukturiert, vorhersagbar und erklärbar sind, und dass zweitens die Ressourcen verfügbar sind, die nötig sind, um den Anforderungen gerecht zu werden. Und drittens, dass dies Anforderungen und Herausforderungen sind, die Investitionen und Engagement verdienen."

Auf der Basis unserer langjährigen klinischen Erfahrungen und vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse arbeiten wir mit an der Entwicklung wirksamer psychologisch-psychotherapeutischer Beiträge und Angebote, die das Vertrauen der Rehabilitanden darin stärken, mit den eigenen Potentialen die eigene Gesundheit verbessern und pflegen zu können. Die Klinik Hohenfreudenstadt mit ihrer psychologisch-psychotherapeutischen Abteilung bietet einen (vom Alltagsstress) geschützten und stützenden Rahmen, um sich der eigenen Ressourcen und Potentiale bewusst zu werden, diese weiterzuentwickeln und die Hoffnung und Motivation aufzubauen, das eigene Leben im häuslichen Alltag aktiv in Richtung auf mehr Wohlbefinden und Lebensfreude zu gestalten.